Die Arbeit mit den Pferden
Manch einer mag es sich kaum vorstellen können. Wenn man auf dem Festland erzählt, dass bei uns auf der Insel noch alles mit Pferd und Wagen gemacht wird, so ruft dies oftmals ein fragendes Gesicht hervor.
Mit 2 PS zum Kunden
Aber es ist wirklich so, bis auf besonders schwere oder sperrige Güter wird auf Juist alles mit 2 PS (2 Pferdestärken) bewegt.
Wo sich ein Spediteur auf dem Festland damit beschäftigt, ob er sich einen neuen MAN TGA Common Rail Diesel mit 480 PS kaufen soll oder wie wohl die Preisentwicklung des Diesels oder der LKW Maut weiter geht, so beschäftigt man sich auf einer autofreien Pferdeinsel mit anderen Problemen, wie zum Beispiel wann wird das lahmende Pferd wieder gesund, wie lange dauert es noch, bis der Tierarzt auf der Insel ist oder hoffentlich bleiben die Tiere ruhig, wenn sie in der Hochsaison durch den sehr belebten Ortskern müssen.
Wann hat der Hufschmied das nächste Mal Zeit für uns? Welche Art Pferde sollen als nächstes gekauft werden? Eher ein Warmblüter oder doch besser ein Kaltblüter für die schweren Lasten?
Die Arbeit des Gespannführers
Auch der Beruf des Gespannführers, (Bild unten links) ist nicht annähernd mit dem eines LKW-Fahrers zu vergleichen.
Wo der LKW Fahrer morgens zur Arbeit kommt und in den vorgeheizten LKW steigt, da muss der Gespannführer auf Juist erstmal auf die Salzwiesen, in denen die Weiden (Bild unten rechts) liegen und seine Pferde holen. Anschließend müssen die Pferde gefüttert und geputzt werden.
Erst danach geht es los, die Pferde werden aufgeschirrt und vor den Wagen gespannt. Nun werden bis zur Mittagspause die Waren ausgeliefert.
In der Mittagspause kommen die Pferde dann in ihre Laufboxen (Bild unten), (welche seit April 2004 Pflicht für jeden Pferdehalter in Niedersachsen sind) und werden erneut gefüttert. Natürlich machen auch die Gespannführer in der Zeit ihre Pause. Am Nachmittag werden dann wieder Waren transportiert.
Wenn es auf den Feierabend zugeht, werden die Pferde noch mal gefüttert und kommen anschließend wieder auf die Weide.
Im Herbst und Winter bleiben die Tiere nach Feierabend in ihren Auslaufboxen.
Etwa alle vier Wochen kommt der Hufschmied auf die Insel und erneuert alle Hufeisen der Pferde.
Einen
Tierarzt gibt es leider nicht auf der Insel. Dieser muss im Bedarfsfall angefordert werden und kommt dann mit dem Boot oder per Flugzeug von der Nachbarinsel Norderney.
Wie man sieht, verläuft der Alltag auf einer "autofreien" Pferdeinsel etwas anders als auf dem Festland.
Die einen meinen vielleicht, dass es etwas hinterweltlich sei, alles noch mit Pferd und Wagen zu machen, doch zum Glück gibt es noch genug Gäste, die diese Ruhe und Gelassenheit, die durch die vielen Pferde ausgestrahlt werden, lieben.
Es gibt wohl nur noch wenige Bereiche in diesen hektischen Zeiten, in denen die Zusammenarbeit zwischen Mensch, Tier und Maschine so eng ist, wie hier bei uns auf Juist.